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Kapitel 4.1.1: Drill-Programme



Prinzip

Drill-Programme präsentieren keinen neuen Lehrstoff, sondern fragen diesen nur ab. Der Tutand muß den Stoff also bereits auf eine andere Art und Weise (z.B. durch ein Buch, eine Vorlesung oder ein anderes CBT-Programm) präsentiert bekommen haben

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Abbildung 1: Prinzip eines Drill-Programms

Das Prinzip von Drill-Programmen funktioniert so, daß sie zunächst eine (zufällig oder gezielt ausgesuchte) Frage stellen, die der Tutand beantworten muß. Anschließend wird diese Anwort analysiert und dem Tutand ein Feedback gegeben, d.h. es wird ihm mitgeteilt, ob er die Frage richtig bzw. falsch beantwortet hat und wie ggf. die richtige Antwort lautet (evtl. mit einer kurzen Erläuterung). Danach wird die nächste Frage ausgewählt usw. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis ein bestimmtes Abbruchkriterium erreicht worden ist (z.B. bestimmte Anzahl von Fragen, Abbruch durch Tutanden). In der Regel präsentieren die Programme zum Abschluß eine Statistik mit der Summe von richtig bzw. falsch beantworteten Fragen. Neben diesem 'Lernmodus' haben viele Drill-Programme auch einen 'Prüfmodus', der sich vom Lernmodus hauptsächlich dadurch unterscheidet, daß der Tutand kein direktes Feedback auf seine Antworten erhält, d.h. der Tutand muß - wie in einer richtigen Prüfung - eine bestimmte Anzahl von Fragen beantworten und bekommt erst zum Schluß gesagt, wieviel Fragen er davon richtig gelöst hat.

Pädagogische Aspekte

Das den Drill-Programmen zugrundeliegende Lernparadigma ist der Behaviorismus. Faktenwissen kann mit Drill-Programmen relativ gut gelernt werden, wenn es dem Tutanden bereits präsentiert wurde. Hingegen eignen sich Drill-Programme zum Lernen von komplexen Zusammenhängen meist nicht.

Einsatz und Verwendung

Aufgrund der Art der Prüfungen im Medizinstudium kommt den Drill-Programmen hier eine besondere Rolle zu. Das Physikum sowie das erste und zweite Staatsexamen bestehen ganz oder teilweise aus Multiple-Choice-Fragen, die zentral vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) zusammengestellt werden, d.h. diese Prüfungen werden bundesweit einheitlich durchgeführt. Im Laufe der Jahren haben sich aus alten Prüfungen große Fragenkataloge gebildet, die von Medizinstudenten gerne zu Prüfungsvorbereitungen herangezogen werden.

Implementierung

Die Implementierung von Drill-Programmen ist relativ einfach, wenn die Daten vom Programm getrennt werden. In die Datenbank können nahezu beliebig viele Fragen eingetragen werden. Es muß lediglich einmal ein Programmrahmen geschaffen werden, der aus dieser Datenbank die Fragen auswählt, dem Tutanden präsentiert, die Antworten analysiert und ein Feedback gibt. Bei One-Choice- und Multiple-Choice-Fragen beispielsweise sind in der Datenbank neben den Fragetexten und den richtigen Antworten auch die Antwortalternativen gespeichert. Das Programm muß dann nur noch die Anworten des Tutanden mit den gespeicherten (richtigen) Antwort vergleichen und davon abhängig ein Feedback geben.

Die Auswahl der Fragen erfolgt im einfachsten Fall durch einen Zufallsgenerator. Um zu verhindern, daß eine Frage zweimal hintereinander gestellt wird, kann sich das Programm die letzten Fragen merken und die Zufallsauswahl wiederholen, wenn eine der letzten Fragen nochmals ausgewählt wurde. Bessere Drill-Programme versuchen sich ein Bild vom Wissensstand des Tutanden zu machen. Dazu merken sie sich, wie oft sie eine bestimmte Frage gestellt haben und wie oft der Tutand diese Frage richtig beantwortet hat. Wenn die Frage immer richtig beantwortet wurde, kann das Programm davon ausgehen, daß der Tutand sie beherrscht und braucht sie nicht mehr oder nur noch selten zu stellen. Wenn hingegen die Frage mehrmals nicht richtig beantwortet wurde, sollte sie dem Tutanden öfters gestellt werden.

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