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Kapitel 6.1.2: Phasenmodell für die CBT-Entwicklung


In Analogie zu den Prinzipien des Software-Engineerings schlägt Bodendorf für die Erstellung von CBT-Software ein Phasenmodell vor, bei dem schrittweise von allgemeinen, nichttechnischen Spezifikationsphasen zu immer konkreteren Realisierungsaufgaben übergegangen wird [vgl. Bodendorf 90, S. 75-78].

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Abbildung 16: Phasenmodell für die Entwicklung von CBT-Programmen

Phase: Zielanalyse

Nachdem ein Bedarf für ein CBT-System festgestellt wurde, sollte bei der Zielanalyse zunächst einmal geklärt werden, wer die Zielgruppe darstellt (z.B. weiterzubildende Ärzte oder Medizinstudenten im vorklinischen bzw. klinischen Semester), welche stoffbezogenen Kenntnisse vorhanden sind (z.B. wenn das Programm begleitend zu einem Buch oder einer Vorlesung eingesetzt werden soll) und welche Erfahrungen im Umgang mit dem Computer vorausgesetzt werden dürfen.

Neben den Lerninhalten müssen auch die Lernziele definiert werden, u.a. sollten folgende Fragen geklärt werden:

Eventuell sollte an dieser Stelle bereits überlegt werden, wie das CBT-Programm in die Ausbildung integriert werden kann, damit nicht am Bedarf vorbei entwickelt wird [vgl. Haag 95, S. 79-80].

In dieser Phase sind hauptsächlich der Auftraggeber, der Projektmanager, der Inhaltsexperte und der Vertriebsexperte an den Überlegungen beteiligt. Weitere Personen (z.B. der Medienexperte und der Lernprogramm-Designer) können bei Bedarf hinzugezogen werden.

Phase: Lösungskonzept

Aufbauend auf den Lernzielen und Lerninhalten wird unter Einbeziehung lernpsychologischer Aspekte ein Lösungskonzept entwickelt. Es wird untersucht, inwieweit verschiedene Methoden, wie Tutorials, Simulationen oder Spiele zum Erreichen der vorgegebenen Ziele geeignet sind [vgl. Bodendorf 90, S. 75]. Der Ressourcenbedarf (Personal, Hardware, Software, Geld) wird aufgrund der geplanten Bearbeitungszeit und des Programmtyps abgeschätzt. Es entstehen ein Projektplan und ein Pflichtenheft, das die Funktionen festlegt, die das Programm erfüllen soll [vgl. Haag 95, S.80].

Neben dem Projektmanager wirken in dieser Phase vorwiegend der Inhaltsexperte, der Lernprogramm-Designer, der Drehbuch-Schreiber, der Redakteur und der Systemspezialist mit.

Phase: Pädagogisches Design

Zunächst wird das medienunabhängige pädagogische Grobdesign erarbeitet:

Das Ergebnis ist stark vom verwendeten Lernparadigma (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus) sowie vom geplanten CBT-Programmtyp abhängig.

In einem zweiten Schritt werden Methoden und Präsentationsmöglichkeiten zur Darstellung des Lehrstoffs gesucht, beispielsweise

Das Ergebnis des pädagogischen Feindesigns ist ein Drehbuch. In ihm werden die Vorgaben des Pflichtenhefts in konkrete Lehrelemente und -abläufe umgesetzt [vgl. Bodendorf 90, S. 75-77; Haag 95, S. 80].

In dieser Phase wirken hauptsächlich der Projektmanager, der Inhaltsexperte, der Lernprogramm-Designer, der Drehbuch-Schreiber und der Redakteur mit. Beim Feindesign sollten bereits der Autorensystem-Spezialist (und ggf. weitere Personen) hinzugezogen werden.

Phase: Technisches Design

Zur Verwirklichung der Vorgaben klärt man in dieser Phase zunächst ab, welche Medien und Hardware zur Verfügung stehen bzw. notwendig sind und mit welcher Entwicklungssoftware (Autorensystem, Programmiersprache) das Projekt realisiert werden soll. Insbesondere werden die Computerplattformen (Betriebssysteme) festgelegt, auf dem die CBT-Software laufen soll.

Danach werden die Benutzerschnittstelle und die Bildschirmlayouts entworfen. Es entsteht ein Prototyp. Vor der Freigabe des Prototyps muß dieser noch auf seine Funktionalität getestet, sowohl von den Tutanden wie auch von den Lehrenden bewertet und ggf. überarbeitet werden.

Für das technische Design sind hauptsächlich (neben dem Projektmanager) der Autorensystem-Spezialist, der Datentypist, der Systemspezialist, der Grafik-Designer und der Medienexperte beteiligt. Zwischen der 3. und der 4. Phase, d.h. zwischen den pädagogisch orientierten Designern und den technisch orientierten Prototyperstellern, sollte ein intensiver Informationsaustausch stattfinden, damit die technischen Möglichkeiten optimal ausgenutzt werden. Für die Qualitätssicherung sind der oder die Tester sowie der Produktionsexperte verantwortlich [vgl. Bodendorf 90, S. 77; Haag 95, S. 80-81].

Phase: Implementierung

Bevor die "Produktion" beginnen kann, muß die Programmdokumentation erstellt werden. Falls das Produkt auf verschiedenen Plattformen laufen soll, wird in dieser Phase die Portierung vorgenommen. Für evtl. benötigte Zusatzgeräte müssen Treiber bereitgestellt werden [vgl. Bodendorf 90, S. 77; Haag 95, S. 81].

In dieser Phase können neben dem Projektmanager der Autorensystem-Spezialist, der Datentypist, der Systemspezialist, der oder die Tester und der Produktionsexperte mitwirken.

Phase: Evaluation

Die Evaluation des Programms im Routinebetrieb soll unter anderem Aufschluß über die Akzeptanz, den Lernerfolg und der optionalen Nutzung des CBT-Systems geben. Für eine Überarbeitung des Programms sollten die Ergebnisse der Evaluation als Grundlage dienen [vgl. Bodendorf 90, S. 77-78; Haag 95, S. 81].

Diese Phase kann beispielsweise durch den Vetriebsexperten und dem Projektmanager überwacht werden, die bei Bedarf weitere Spezialisten und Experten hinzuziehen.

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